Testament Muster berliner modell

Der wichtigste Unterschied zum Einzeltestament besteht aber in der Bindungswirkung. So können Änderungen oder ein Widerruf wechselbezüglicher Verfügungen nur gemeinsam vorgenommen werden. Noch deutlicher wird die Bindungswirkung bei gemeinschaftlichen Testamenten im Falle des Ablebens eines Partners. Dann kann der Hinterbliebene das gemeinsam Verfügte im Regelfall nicht mehr abändern, es sei denn, er schlägt das Erbe aus. Es besteht also ein äußerst begrenzter Änderungsspielraum für die Ehepartner. Im Falle einer Scheidung wird das gemeinschaftliche Testament übrigens automatisch unwirksam. Keiner der Ehegatten kann einzeln Änderungen am Testament vornehmen. Wenn nämlich ein Beteiligter die Bestimmungen widerruft, würden automatisch auch die Vorgaben des anderen Partners nichtig. Wenn eine Änderung des Berliner Testaments gewünscht ist, kann dies auch nur gemeinschaftlich bewerkstelligt werden. Wenn ein Partner doch allein einen Widerruf des gemeinschaftlichen Ehegattentestament herbeiführen möchte, muss er dabei die festgelegten gesetzlichen Vorschriften zum Berliner Testament Modell einhalten. Die Vorschriften entsprechen denen beim Aufheben des Erbvertrages.

Um mögliche Nachteile für die gemeinsamen Kinder zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, eine sogenannte Wiederverheiratungsklausel ins Ehegattentestament aufzunehmen. Beim Berliner Testament sollten Sie Muster für solche Klauseln allerdings nicht ohne den Rat von einem Notar oder Anwalt für Erbrecht einfügen, um negative Auswirkungen zu vermeiden. Das Berliner Testament ist eine Sonderform des gemeinschaftlichen oder Ehegattentestaments, das in erster Linie von Verheirateten mit Kindern genutzt wird. Beim Berliner Testament setzen sich beide Eheleute gegenseitig als Alleinerben, bzw. Vollerben mit dem Ziel ein, den gemeinsamen Nachlass erst dann den gemeinsamen Kindern zu vererben, wenn auch der letzte der beiden Partner verstirbt – die Kinder werden dann zu Schlusserben. Nach § 2287 BGB analog können auch Schenkungen, welche der überlebende Ehegatte zu Lebzeiten in der Absicht vorgenommen hat, den Schlusserben zu beeinträchtigen, von dem Beschenkten nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung zurück gefordert werden. Beeinträchtigt der überlebende Ehegatte die Erberwartung eines in einem gemeinschaftlichen Ehegattentestament verbindlich eingesetzten Schlusserben durch Schenkungen an einen Dritten, kann der Dritte nach dem Tod des zuletzt verstorbenen Ehegatten zur Herausgabe der Zuwendung an den Schlusserben verpflichtet sein, wenn der Erblasser kein anerkennenswertes lebzeitiges Eigeninteresse an der Zuwendung hatte. Die Feststellung eines lebzeitigen Eigeninteresses erfordert eine umfassende Abwägung der Interessen im Einzelfall. Es kann fehlen, wenn der Erblasser Zuwendungen erheblicher Vermögenswerte in erster Linie auf Grund eines auf Korrektur der Verfügung von Todes wegen gerichteten Sinneswandels vornimmt. [2] Schwieriger gestaltet sich die Lage beim einseitigen Widerruf, also dann, wenn nur ein Ehepartner aus dem gemeinschaftlichen Testament “aussteigen” möchte.

Denn üblicherweise wird in einem Berliner Testament eine ganze Reihe wechselbezüglicher Verfügungen festgehalten, die die Bindungswirkung des Dokuments deutlich erhöhen.